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Nachlass planen

Wer seinen Nachlass rechtzeitig plant, schafft Klarheit für sich selbst und entlastet Angehörige. Gerade im Alter geht es oft nicht nur um Vermögen, sondern auch um Sicherheit, Familienfrieden und die Frage, wie der eigene Wille zuverlässig umgesetzt werden kann.

Auf dieser Seite findest Du eine Orientierung in fünf Schritten: Was habe ich? Wen will ich absichern? Was will ich vermeiden? Welches Instrument passt? Und wo wird alles aufbewahrt?

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Warum es sinnvoll ist, den Nachlass frühzeitig zu planen

Ohne klare Regelung gilt im Erbfall die gesetzliche Erbfolge. Das entspricht nicht immer den persönlichen Wünschen. Zudem können Pflichtteilsansprüche, eine Erbengemeinschaft oder unklare Vermögensverhältnisse später zu Streit führen.

Eine gute Planung hilft, Konflikte zu vermeiden und den eigenen Vorstellungen Geltung zu verschaffen. Dabei geht es nicht darum, alles sofort perfekt zu regeln. Wichtig ist, Schritt für Schritt Klarheit zu gewinnen.

Schritt 1: Was habe ich?

Am Anfang steht der Überblick. Wer seinen Nachlass planen will, sollte zuerst wissen, was überhaupt vorhanden ist.

Worin besteht mein Nachlass?

Zu einer geordneten Nachlassplanung gehört eine möglichst vollständige Bestandsaufnahme. Dazu zählen Immobilien und bewegliche Gegenstände, Geldvermögen und Wertpapiere, Forderungen, Rechte und Beteiligungen – jeweils möglichst mit genauer Bezeichnung, Aufbewahrungsort und Zugang.

Wichtig sind zum Beispiel Angaben zu Bankkonten, Depots, Versicherungen, Grundbesitz, Bankschließfächern, wichtigen Unterlagen und Zugangsmöglichkeiten.

Gibt es Schulden oder Verpflichtungen im Nachlass?

Zum Nachlass gehören nicht nur Vermögenswerte, sondern auch Verbindlichkeiten. Verschaffe Dir daher auch einen Überblick über Schulden, Bürgschaften oder laufende Verpflichtungen.

Nicht vergessen: Auch der digitale Nachlass gehört zur Planung. Dazu können E-Mail-Konten, Online-Verträge, Cloud-Speicher, soziale Netzwerke oder wichtige Zugangsdaten gehören.

Schritt 2: Wen will ich absichern?

Nach dem Überblick über das Vermögen kommt die persönliche Frage: Welche Menschen sollen geschützt, bedacht oder bewusst einbezogen werden?

Wie ist meine persönliche und familiäre Situation?

Für eine sinnvolle Nachlassregelung ist die familiäre Lage wichtig: Partnerschaft mit oder ohne Trauschein, getrennt lebend, geschieden, wiederverheiratet, Kinder aus aktueller oder früherer Beziehung, Stief- oder Adoptivkinder, Krankheits- oder Pflegefall oder ein ständiger Aufenthalt im (EU-)Ausland.

Wie sichere ich insbesondere meinen Partner ab?

Überlege, was geregelt werden muss, damit der Partner finanziell abgesichert ist und sein gewohntes Lebensumfeld behalten kann – insbesondere im Hinblick auf Hausrat und eine selbstgenutzte Immobilie.

Besondere Lebenssituationen

Je nach Lebenssituation stellt sich zuerst die Frage: Wer soll abgesichert oder bedacht werden?

Patchworkfamilie:
Gibt es Kinder aus verschiedenen Beziehungen? Soll der aktuelle Partner abgesichert werden? Gibt es Stiefkinder, die ohne Testament nicht erben würden?

Alleinstehend:
Wer soll erben, wenn keine engen Angehörigen vorhanden sind? Kommen Freunde, weiter entfernte Verwandte oder eine gemeinnützige Einrichtung in Betracht?

Eltern mit junger Familie:
Wie sollen Partner und Kinder abgesichert werden, wenn ein Elternteil früh verstirbt? Wer soll Verantwortung übernehmen, wenn minderjährige Kinder betroffen sind?

Großeltern:
Sollen nur die Kinder erben oder auch Enkel berücksichtigt werden? Gibt es besondere Bedürfnisse in der Familie, etwa Ausbildung, Pflege oder Unterstützung?

Schritt 3: Was will ich vermeiden?

Nachlassplanung bedeutet nicht nur: Wer soll etwas bekommen? Genauso wichtig ist die Frage: Was soll später möglichst nicht passieren?

Können gesetzliche Pflichtteilsansprüche entstehen?

Auch wenn Du eigene Regelungen triffst, können Pflichtteilsansprüche von Kindern oder anderen pflichtteilsberechtigten Angehörigen bestehen. Es lohnt sich, diese früh mitzudenken.

Wie vermeide ich Konflikte?

Unklare Regelungen können später zu Streit führen. Besonders konfliktanfällig sind Immobilien, einzelne wertvolle Gegenstände, Sammlungen, Schmuck, Hausrat oder Vermögen, das mehreren Personen gemeinsam zufallen soll.

Wenn durch Deine Verfügung mehrere Erben gemeinsam berechtigt sind – etwa an einer Immobilie –, entsteht eine Erbengemeinschaft. Überlege deshalb frühzeitig, wie Entscheidungen getroffen werden sollen oder ob es sinnvoll ist, einen Testamentsvollstrecker zu bestimmen.

Was soll gelten, wenn sich die Lage ändert?

Wenn Dir bestimmte Ziele besonders wichtig sind, solltest Du auch bedenken, was gelten soll, wenn ein vorgesehener Erbe vorverstirbt oder die Erbschaft ausschlägt.

Schritt 4: Welches Instrument passt?

Erst wenn Du Vermögen, Familie, Ziele und mögliche Konflikte im Blick hast, stellt sich die Frage: Wie wird der Wille rechtlich festgehalten?

Wer soll Erbe werden?

Der Erbe erhält den Nachlass im Wesentlichen und tritt mit Deinem Tod in Deine Rechte und Pflichten ein.

Wer soll ein Vermächtnis erhalten?

Nicht jede Zuwendung muss über die Erbenstellung erfolgen. Es kann auch sinnvoll sein, einzelnen Personen einen Geldbetrag, einen Gegenstand oder einen sonstigen Vermögensvorteil zuzuwenden.

Will ich Erbeinsetzungen oder Zuwendungen mit Auflagen oder Bedingungen verbinden?

Soll ein Erbe oder Vermächtnis nur unter bestimmten Voraussetzungen erfolgen oder mit Verpflichtungen verbunden sein – etwa die Pflege einer Erinnerung, eine bestimmte Verwendung eines Vermögenswerts oder die Betreuung eines Haustiers?

Wie halte ich meine Regelungen fest?

Deine Vorstellungen hältst Du in einem Testament fest. Wenn der Ehepartner eingebunden werden soll, kommt ein gemeinsames Testament in Betracht, zum Beispiel ein Berliner Testament.

Wenn eine dritte Person einbezogen werden soll, kann neben oder anstelle eines Testaments auch ein Erbvertrag sinnvoll sein.

Soll Vermögen bereits zu Lebzeiten übertragen werden?

Neben der Regelung des Erbfalls kann sich auch die Frage stellen, ob einzelne Vermögenswerte schon vorher übertragen werden sollen. Dabei geht es oft um Absicherung, Familienfrieden oder steuerliche Überlegungen. ➡️ Mehr dazu auf der Seite „Vermögen übertragen – Erbe oder Schenkung?“

Ist das Ergebnis der Bestandsaufnahme komplex?

Erst wenn Du Deine vermögensmäßige und familiäre Lage sowie Deine Ziele erkannt hast, kann Dich ein Anwalt oder Steuerberater gezielt zu Inhalt und Gestaltung eines Testaments beraten.

Besondere Lebenssituationen

Je nach Familie kann ein einfaches Testament genügen – oder eine genauere Gestaltung nötig sein.

Patchworkfamilie:
Hier reichen einfache Standardlösungen oft nicht aus. Es muss geklärt werden, wie der aktuelle Partner abgesichert wird und wie Kinder aus früheren Beziehungen berücksichtigt werden sollen.

Alleinstehend:
Ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge. Wer Freunde, Nachbarn oder eine Organisation bedenken möchte, muss dies ausdrücklich regeln.

Eltern mit junger Familie:
Wichtig ist, dass Partner und Kinder abgesichert sind. Je nach Alter der Kinder können klare Regelungen zur Verwaltung des Vermögens sinnvoll sein.

Großeltern:
Wer Enkel direkt bedenken möchte, sollte genau regeln, ob sie Erben werden oder nur ein Vermächtnis erhalten sollen. Sonst kann die Erbfolge unübersichtlich werden.

Schritt 5: Wo wird alles aufbewahrt?

Eine gute Nachlassplanung hilft nur, wenn die Unterlagen später gefunden werden. Deshalb gehört zur Planung auch die Frage, wo Testament, Vollmachten, Listen und wichtige Unterlagen aufbewahrt werden.

Wie und wo bewahre ich das Testament auf?

Sorge dafür, dass Deine Verfügung im Todesfall gefunden wird. Du kannst dies mit einer Person Deines Vertrauens abstimmen – etwa mit der Person, der Du eine Vorsorgevollmacht erteilt hast.

Denkbar ist auch die Hinterlegung beim Amtsgericht oder Notar. Du musst nur wissen: Ein Testament, das im Erbfall nicht aufgefunden wird, ist so schlecht wie kein Testament. Dann gilt die gesetzliche Erbfolge.

Was gehört noch in die Übersicht?

Neben dem Testament können auch Übersichten über Bankverbindungen, Versicherungen, Immobilien, digitale Zugänge, wichtige Verträge und Ansprechpartner hilfreich sein. Solche Angaben ersetzen kein Testament, erleichtern Angehörigen aber später die Orientierung.

Besondere Lebenssituationen

Gerade in besonderen Familienlagen ist wichtig, dass die richtigen Unterlagen später gefunden werden.

Patchworkfamilie:
Wenn mehrere Familienzweige betroffen sind, sollte besonders klar sein, welches Testament die aktuelle Fassung ist und wo es aufbewahrt wird.

Alleinstehend:
Wer allein lebt, sollte eine Vertrauensperson informieren, wo Testament, Vollmachten, wichtige Unterlagen und Übersichten zu finden sind.

Eltern mit junger Familie:
Wichtige Unterlagen sollten so aufbewahrt werden, dass der überlebende Partner oder eine Vertrauensperson im Ernstfall schnell handeln kann.

Großeltern:
Wenn Kinder und Enkel bedacht werden, sollten ältere Testamente und neue Fassungen nicht nebeneinander für Verwirrung sorgen. Die aktuelle Regelung muss auffindbar sein.

Nachlass planen heißt auch: Beerdigung mitdenken

Wer seinen Nachlass ordnet, sollte auch festhalten, wie die eigene Beerdigung gestaltet und bezahlt werden soll – mehr dazu findest Du unter Todesfall.

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